Büsums Fahrradfreundlichkeit im Überblick

Büsum (rund 4800 Einwohner) ist mit mehr als einer Million Gästeübernachtungen im Jahr nach Sankt Peter-Ording und Westerland der drittgrößte Fremdenverkehrsort an der schleswig-holsteinischen Nordseeküste.

Viele Übernachtungsgäste bringen ihre eigenen Fahrräder mit oder mieten sie sich bei einem der zahlreichen Verleiher, die auch auf der offiziellen Büsum-Homepage beworben werden. Auch E-Bikes gewinnen im Urlauberverhalten immer noch weiter an Bedeutung. Für einen ungetrübten Urlaubsspaß auf zwei Rädern sind aber nicht nur gute fahrradgeeignete Wege, sondern auch andere Faktoren wie zum Beispiel ergonomische und sichere Abstellanlagen (nicht nur in kommunaler Verantwortung, sondern auch an den Unterkünften!) und andere radtouristische Infrastruktur entscheidend (siehe auch übergeordnete Seite).

Damit verdienen Fahrrad und Fahrradinfrastruktur in der Fremdenverkehrspolitik von Büsum und der Region eine Beach­tung, die ihnen augenscheinlich heute noch nicht in ausreichendem Maß beigemessen werden: Schon bei stichproben­artiger Begutachtung aus der Urlauberperspektive heraus fällt einiges Verbesserungspotenzial ins Auge (alle Angaben Stand September 2016):

Fahrradparken

Anlehnbügel in Büsum, Hohenzollernstraße
an der Hohenzollernstraße

Anlehnbügel in Büsum, Museumshafen
am Museumshafen

Anlehnbügel in Büsum, Ankerplatz
am Ankerplatz

Anlehnbügel in Büsum am Gesundheitszentrum
am Gesundheitszentrum

In Büsum werden in jüngerer Zeit vermehrt Anlehnbügel als Fahrradabstellanlagen montiert. Diese Bügel erreichen zwar nach dem Bewertungsschema für Bestandsanlagen bis zu 14 von 20 Tauglichkeitspunkten, dennoch sind sie gerade für einen Urlaubsort keine ideale Wahl, siehe "Pro und Kontra Anlehnbügel".


Vorschlag:

Kosten, Flächeneffizienz und Nutzerfreundlichkeit legen eine Festlegung anderer Vorzugstypen von Fahrradhalte­rungen aus dem Spektrum der ADFC-empfohlenen bzw. DIN 79008-konformen Reihenparker nahe - für den Einsatz im öffentlichen Straßenraum ebenso wie für die Verwen­dung bei den Betreibern der Unterkünfte.

Anlehnbügel in Büsum am Deichaufgang zur Familienlagune   Die Abstellanlage am Deichaufgang zur Familienlagune hat Züge eines Schildbürgerstreichs: Die 3 Abstellreihen sind in einem Mittelachsenabstand von ∼ 2,6 m montiert, wobei aber schon die abgestellten Fahrräder eine Park­raum­tiefe von 2,7 m erfordern. Damit bleiben im belegten Zustand keine Zugangsgassen für die mittlere und die deichseitige Reihe übrig, siehe auch "Pro und Kontra Anlehnbügel".


Vorschlag zur Abhilfe:

Als Kurzfristmaßnahme empfiehlt sich die Entfernung der mittleren Reihe. Um bei guter Zugänglichkeit wieder die bisherige Anzahl von Stellplätzen anbieten zu können, sollten eine einseitige und eine doppelseitige Reihe (mit Vorderradüberlappung) von ADFC-empfohlenen bzw. DIN 79008-konformen Reihenparkern installiert werden.

 

Felgenkiller in Büsum am Kurpark
am Kurpark

Felgenkiller in Büsum am Museumshafen
am Museumshafen: E-Bikes parken lieber am Geländer

Felgenkiller in Büsum, Nordseestraße
Appartementhaus an der Nordseestraße

Felgenkiller in Büsum, Schule am Meer
Schule am Meer

Spiralparker in Büsum, Sparkasse
Spiralparker an der Sparkasse

Ansonsten überwiegen im Ortsbild von Büsum sowohl im öffentlichen Straßenraum wie auch bei den Vermietern der Unterkünfte geringwertige Vorderradhalter (so genannte "Felgenklemmer" und "Felgenkiller"), die auf 0 oder 2 von 20 Tauglichkeitspunkten nach dem Bewertungsschema für Bestandsanlagen kommen. Der Spiralparker der Spar­kasse ist zwar optisch ansprechender, kommt aber bzgl. seiner Funktionalität auch nicht auf mehr Tauglichkeits­punkte. Ein Blick auf den Schulhof zeigt, dass Schüler hier schon frühzeitig lernen, dass Fahrrädern meistens nur drittklassige Parkbedingungen geboten werden.

Vorschläge zur Verbesserung:

Für ein sicheres Parken der Gästefahrräder an den Unter­künften über Nacht sind abschließbare Abstellräume die optimale Lösung. Ansonsten sollten bei all diesen Einsatz­fällen ADFC-empfohlene bzw. DIN 79008-konforme Reihen­parker zur Verwendung kommen.

Felgenkiller am Wellenbad/Veranstaltungszentrum
am Wellenbad/Veranstaltungszentrum

Felgenkiller in Büsum am Wellenbad/Veranstaltungszentrum
am Wellenbad/Veranstaltungszentrum

Felgenkiller am Wellenbad/Veranstaltungszentrum
am Wellenbad/Veranstaltungszentrum

Felgenkiller in Büsum am Wellenbad/Veranstaltungszentrum
am Wellenbad/Veranstaltungszentrum

Die Fahrradabstellanlagen am Wellenbad bzw. am Gäste- und Veranstaltungszentrum können durchaus als Negativ­beispiel guten Fahrradparkens dienen. Alle dort installier­ten Bauformen einfacher Vorderradhaltern fallen in die Kategorie so genannter "Felgenklemmer" und "Felgen­killer", die auf 0 oder 2 von 20 Tauglichkeitspunkten nach dem Bewertungsschema für Bestandsanlagen kommen.

Was liegt bei der exponierten Lage und zentralen touristi­schen Bedeutung dieses Gebäudekomplexes näher, als dieses Negativbeispiel in ein Positivbeispiel umzuwandeln, und zwar in eine Muster­anlage mit verschiedenen ADFC-empfohlenen bzw. DIN 79008-konformen Reihenparkern ? Es gibt bei entsprechender begleitender Öffentlichkeits­arbeit kaum ein besseres Instrument, um auch die Vermieter der Unterkünfte mit diesem Thema und seiner Bedeutung vertraut zu machen.

Fahrradparknotstand in Büsum am Rathaus
am Rathaus

 

Ganz offensichtlich gibt es in Büsum verschiedene Stellen mit hoher Nachfrage an Fahrradparkmöglichkeiten, die aber heute nicht mit einem guten Angebot entsprechender Fahrradabstellanlagen befriedigt wird. Ein weiteres Beispiel ist sogar auf Wikipedia verewigt.


Vorschlag zur Abhilfe:

Als Abhilfe empfiehlt sich eine systematische Bedarfs­ermitt­lung, wie sie zum Beispiel beschrieben ist in den "Hinweisen zum Fahrradparken" der Forschungs­gemein­schaft für Straßen- und Verkehrswesen (FGSV).

Mit drittklassigen und fehlenden Fahrradabstellanlagen schreckt man insbesondere die Nutzer von höherwertigeren Fahr­rädern ab, die unter solchen Bedingungen Sachschäden und Diebstahl befürchten müssen. Unter diesen Voraussetzungen ist es nicht verwunderlich, wenn sich die Fahrradfahrer sicherere Ersatzabstellmöglichkeiten suchen, was aber dem Ortsbild durchaus abträglich sein und auch zu Behinderungen anderer Verkehrsteilnehmer führen kann (z. B. am Geländer des Aufgangs aus der Fußgängerzone zum Wellenbad). Vor diesem Hintergrund verlieren aber die pauschalen Verhaltens­vorwürfe für ein solches Wildparken weitgehend ihre Berechtigung, solange keine angemessenen Fahrradparkmöglich­keiten in Reichweite zur Verfügung stehen.

Verkehrsführung des Radverkehrs

Schutzstreifen für Fahrradfahrer in Büsum   Eher gefährlich als hilfreich sind an vielen Stellen in Büsum die markierten Schutzstreifen für Fahrradfahrer. Nach den Empfehlungen für Radverkehrsanlagen der FGSV, Kap. 3.2 sollten solche Schutzstreifen in der Regel eine Breite von 1,50 m, mindestens aber 1,25 m haben. Stellenweise haben die Schutzstreifen in Büsum aber kaum eine Breite von 40 cm. Wenn Radfahrer dann zwangsläufig auch mal außerhalb der Schutzstreifen fahren, neigen nicht wenige Autofahrer, die nicht die Radfahrerperspektive kennen, zu Lehrmeisterei und gefährlicher Nötigung!

Vorschlag zur Abhilfe:

Was spricht dagegen, alle heute mit Schutzstreifen mar­kierten Straßen in Büsum umzuwandeln in Fahrradstraßen nach StVO, Anlage 2, Nr. 23 zu Zeichen 244.1 mit Zulas­sung von Kraftfahrzeugverkehr durch Sonderzeichen?

 

Lademöglichkeiten für E-Bike-Akkus

Büsum, Ladestation für E-Bike-Akkus   Die kombinierte Ladestation für E-Bike-Akkus und Elektro­fahrzeuge vor der Tourist-Information findet man nur durch Zufall; auf der offiziellen Büsum-Homepage wird sie nicht erwähnt und auch per Google-Suche ist sie nur schwerlich aufzufinden.

Vorschläge zur Verbesserung:

  • Die offizielle Büsum-Homepage sollte auf diese Lade­station hinweisen.
  • Im Hinblick auf elektrische Sicherheit und Nutzer­freund­lichkeit wäre eine Verlegung der Station an einen witterungsgeschützten Ort (z. B. unter die Kolonnaden des Wellenbades) sinnvoll.
  • Im Hinblick auf die zunehmende Verbreitung von E-Bikes sollte das Angebot sicherer Ladestationen in Büsum erweitert werden.

 

Informationen und Infrastruktur für durchreisende Radtouristen

Ausschnitt aus OpenCycleMap   Büsum liegt am internationalen Fernradweg EuroVelo 12 (Nordseeküsten-Radweg, D1). Haben sich die Büsumer schon mal Gedanken gemacht, wie und wo durchreisende Fern­radtouristen mal für ein paar Stunden ihr Rad und ihr Gepäck sicher zurücklassen können, um entspannt den Strand und das weltberühmte Büsumer Watt genießen zu können? Die Abstellanlagen unterhalb des Wellenbades sind eher als unsicher einzustufen (s. o.), und die Schließ­fächer an der Seeseite des Wellenbades sind von der Straßenseite aus in keiner Weise ausgeschildert.

Vorschläge zur Abhilfe:

Zusätzlich zur oben vorgeschlagenen Verbesserung der Fahrradabstellanlagen unter den Kolonnaden des Wellen­bades sollten hier auch einige Schließfächer für Fern­rad­touristen installiert (und reserviert) werden und dieses auch auf der offiziellen Büsum-Homepage erwähnt werden.

 

Fazit

Zum heutigen Stand kann sich Büsum nicht mit besonderer Fahrradfreundlichkeit rühmen, wahrscheinlich haben sich die Büsumer Verantwortlichen und Planer bislang kaum die "Fahrradbrille" aufgesetzt. Aber die notwendigen Verbesserungen sind finanziell überschaubar, vermutlich bezuschussungsfähig für EU-Fördermittel für den ländlichen Raum und verteilen sich ansonsten außerdem auch auf viele Schultern (z. B. Vermieter der Unterkünfte).

Büsum als "Fahrradfreundlicher Urlaubsort" wäre ein lohnenswertes Ziel und würde sicherlich durch weiteren Zuwachs an Übernachtungen belohnt!