Grömitz' Fahrradfreundlichkeit im Überblick

Grömitz (rund 7150 Einwohner) ist eines der ältesten Seebäder an der deutschen Ostseeküste und kommt auf rund 1,5 Millionen Gästeübernachtungen pro Jahr.

Viele Übernachtungsgäste bringen ihre eigenen Fahrräder mit oder mieten sie sich bei einem der zahlreichen Verleiher, die auch auf der offiziellen Grömitz-Homepage beworben werden. Auch E-Bikes gewinnen im Urlauberverhalten immer noch weiter an Bedeutung. Für einen ungetrübten Urlaubsspaß auf zwei Rädern sind aber nicht nur gute fahrradgeeignete Wege, sondern auch andere Faktoren wie zum Beispiel ergonomische und sichere Abstellanlagen (nicht nur in kommunaler Verantwortung, sondern auch an den Unterkünften!) und andere radtouristische Infrastruktur entscheidend (siehe auch übergeordnete Seite).

Damit verdienen Fahrrad und Fahrradinfrastruktur in der Fremdenverkehrspolitik von Grömitz und der Region eine Beach­tung, die ihnen augenscheinlich heute noch nicht in ausreichendem Maß beigemessen werden: Schon bei stichproben­artiger Begutachtung aus der Urlauberperspektive heraus fällt einiges Verbesserungspotenzial ins Auge (alle Angaben Stand Oktober 2016):

Fahrradparken

Anlehnbügel in Grömitz am Rathaus
Anlehnbügel am Rathaus

Anlehnbügel in Grömitz am Wellenbad
Anlehnbügel am Wellenbad

Serpentinenparker in Grömitz auf der Kirchenstraße
Serpentinenparker auf der Kirchenstraße

Die besten Fahrradständer von Grömitz findet man vor dem Rathaus, die dort eingesetzten Anlehnbügel mit Vorderrad­bucht kommen nach dem Bewertungsschema für Bestandsanlagen auf 16 von 20 Tauglichkeitspunkten.

Das zweitbeste Fahrradständermodell in Grömitz sind Anlehnbügel, die in aufwändiger Ausführung (mit Grömitz-Logo) in mehreren Abstellanlagen installiert sind. Diese Bügel kommen auf 14 Tauglichkeitspunkte, dennoch sind sie gerade für einen Urlaubsort keine ideale Wahl, siehe "Pro und Kontra Anlehnbügel".

Die Serpentinenparker in der Kirchenstraße erlauben nicht unbedingt ein Anschließen des Rahmens und sind auf ab­schüssigem Untergrund angebracht, "talseitig" eingestellte Räder rollen selbsttätig wieder heraus, ein Bügel ist stark verformt.

Felgenkiller in Grömitz vor der Kulisse der Seebrücke
Felgenkiller vor der Seebrücke

Felgenkiller in Grömitz an der Strandpromenade
Felgenkiller an der Strandpromenade

Felgenkiller in Grömitz an der Strandpromenade
Felgenkiller an der Strandpromenade

Felgenkiller in Grömitz an der Strandpromenade
Felgenkiller an der Strandpromenade

Felgenkiller in Grömitz an der Strandpromenade
Felgenkiller an der Strandpromenade

Ansonsten sind in Grömitz fast ausschließlich einfache Vorderradhalter zu finden (so genannte "Felgen­klemmer" und "Felgenkiller" mit 0 oder 2 von 20 Tauglich­keitspunkten nach dem Bewertungsschema für Bestandsanlagen).

In den Abstellanlagen entlang der Strandpromenade dominiert eine pultförmige Bauform von "Felgenkillern" mit viel zu geringem Stellplatzabstand von 35 cm, so dass in der Praxis nur jeder zweite Stellplatz tatsächlich nutzbar ist. Seitenhalt und Diebstahlschutzeigenschaften dieses Modells und aller anderen an der Strandpromenade installierten Modelle sind ungenügend.

Vorschlag:

Kosten, Flächeneffizienz und Nutzerfreundlichkeit legen eine Festlegung anderer Vorzugstypen von Fahrradhalte­rungen aus dem Spektrum der ADFC-empfohlenen bzw. DIN 79008-konformen Reihenparker nahe.

Felgenkiller in Grömitz vor der Ostholsteinhalle
Felgenkiller vor der Ostholsteinhalle

Felgenkiller in Grömitz an der Gildehalle
Felgenkiller an der Gildehalle

Felgenkiller in Grömitz am Jugendzentrum
Felgenkiller am Jugendzentrum "Red Corner"

Felgenkiller in Grömitz an der Polizeistation
Felgenkiller an der Polizeistation

An den öffentlichen Gebäuden ist zwar eine größere Modellvielfalt zu besichtigen, wobei aber trotzdem alle in­stallierten Fahrradständer den Bauformen "Felgen­killer" und "Felgenklemmer" zuzurechnen sind und nach dem Bewertungsschema für Bestandsanlagen nur auf 0 oder 2 von 20 Tauglichkeitspunkten kommen.

An der Ostholsteinhalle fällt der ansteigende Untergrund in der Abstellanlage auf, so dass Fahrräder rückwärts aus den Halterungen wieder herausrollen können, wenn die Reifenbreite in der Klemmung keinen Halt findet. An der Gildehalle ist ein eigentlich für beidseitige Beparkung vorgesehenes Modell an der Fassade platziert und kann so nur einseitig genutzt werden, außerdem sind diverse Bügel ramponiert. Auch die Polizeistation vergibt die Chance, mit einem hochwertigen Modell als Multiplikator für möglichst diebstahlssicheres Fahrradparken zu fungieren.

Felgenkiller in Grömitz bei Appartement-Vermietern
Felgenkiller bei Appartementvermietern

Felgenkiller in Grömitz bei Appartement-Vermietern
Felgenkiller bei Appartementvermietern

Felgenkiller in Grömitz an einem Ferienhaus
Felgenkiller an einem Ferienhaus

An den Gästeunterkünften sind - soweit einsehbar - als Fahrradständer nur "Felgen­killer" und "Felgenklemmer" zu finden, die auf 0 oder 2 von 20 Tauglichkeitspunkten nach dem Bewertungsschema für Bestandsanlagen kommen.

Vorschläge zur Abhilfe:

Für ein sicheres Parken der Gästefahrräder an den Unter­künften über Nacht sind abschließbare Abstellräume die optimale Lösung. Wo dies nicht möglich ist, sollten zumindest sehr hochwertige Fahrradparker mit optimalen Diebstahlschutzeigenschaften zur Verwendung kommen.

Hierfür ist es wichtig, dass die Informationen über gutes Fahrradparken an die Gast­geber herangetragen werden, und zwar möglichst auch in praktisch erlebbarer Form. Ideal dafür wäre eine durch die Gemeinde an zentraler Stelle errichtete Muster­anlage mit verschiedenen ADFC-empfoh­lenen bzw. DIN 79008-konformen Reihen­parkern.

Felgenkiller in Grömitz vor der Stadtbäckerei Junge
Felgenkiller vor der Stadtbäckerei Junge

Felgenkiller in Grömitz an der Sparkasse
Felgenkiller an der Sparkasse

Felgenkiller in Grömitz an der VR Bank
Felgenkiller an der VR Bank

Felgenkiller in Grömitz am Kaufhaus Stolz
auf diese Abstellanlage kann man nicht stolz sein...

Felgenkiller in Grömitz bei Theos Fischmarkt
Felgenkiller bei Theos Fischmarkt

Auch an den Geschäften, Bankfilialen und Restaurants ist der Fahr­radkunde keineswegs König, sondern eher Bettelmann und muss um die Unversehrtheit seines Fahrrades bangen. Ein Fahrradkunde, der sein Fahrrad sicher abgestellt weiß, ist mit Sicherheit ein entspannterer und vielleicht auch kauffreudigerer Kunde!


Vorschlag zur Abhilfe:

Auch für diese Betreiber von Fahrradabstellanlagen wäre eine an zentraler Stelle von der Gemeinde errichtete Muster­anlage mit verschiedenen ADFC-empfohlenen bzw. DIN 79008-konformen Reihen­parkern sehr hilfreich.

mobiler Werbe-Fahrradständer in Grömitz   In Grömitz fällt eine Vielzahl von mobilen Werbe-Fahrrad­ständern auf, die Werbung für Ausflugsziele wie den Esel- und Landspielhof Nessendorf oder die Ostsee-Erlebniswelt Heiligenhafen machen und vermutliche von diesen gespon­sert wurden. Leider handelt es sich bei all diesen Werbe­ständern nur um "Felgenklemmer" mit 0 Tauglichkeits­punkten, also aus Radfahrersicht eher um Antiwerbung.

Vorschlag zur Abhilfe:

Es gibt solche Werbe-Fahrradständer durchaus auch in ADFC-empfohlener bzw. DIN 79008-konformer Qualität. Im Sinne einer überzeugenden Werbung sollten sowohl die werbenden Ausflugsziele wie auch die Gemeinde Grömitz ein Interesse an der Verwendung solcher hochwertigen Modelle haben. Letztere könnte im Rahmen einer kommunalen Fahrrad­satzung hier Vorgaben machen.

 

Verkehrsführung des Radverkehrs

Grömitz, Wicheldorfstraße   Mehrere Haupttrassen des Radverkehrs in Grömitz weisen abhängig von Saison und Tageszeit auch einen teilweise lebhaften Kraftfahrzeugverkehr auf. Fahrradfahren macht dann hier nur eingeschränkt Spaß, insbesondere wenn sich ungeduldige Autofahrer ohne den notwendigen Sicherheitsabstand an Fahrradfahrern vorbeiquetschen.

Vorschlag zur Abhilfe:

Was spricht dagegen, zum Beispiel die Wicheldorfer Straße und die Seestraße, aber auch andere stark von Radfahrern frequentierte Straßen umzuwandeln in Fahr­radstraßen nach StVO, Anlage 2, Nr. 23 zu Zeichen 244.1 mit Zulas­sung von Kraftfahrzeugverkehr durch Sonder­zeichen? Das würde einerseits gleichzeitig eine Tempo-30-Geschwindigkeitsbeschränkung bedeuten und andererseits Fahrradfahrern mehr Respekt und Rücksichtnahme zuteilwerden lassen.

 

Lademöglichkeiten für E-Bike-Akkus

Grömitz: Touristinformation an der Seebrücke   Laut der offiziellen Grömitz-Homepage gibt es auf dem Campingplatz Hohe Leuchte und in den beiden Geschäfts­stellen des Tourismus-Services Ladestationen für E-Bike-Akkus. Diese Möglichkeit ist zumindest an der Seebrücke nicht sichtbar beschildert, außerdem fällt diese Geschäfts­stelle durch das Fehlen nahegelegener Fahrradabstell­möglichkeiten auf.

Vorschläge zur Verbesserung:

  • An zentralen Punkten wie zum Beispiel an der Seebrücke sollten gutes Fahrradparken, Schließ­fächer und E-Bike-Lademöglichkeiten unmittelbar benachbart miteinander kombiniert werden.
  • Im Hinblick auf die zunehmende Verbreitung von E-Bikes sollte das Angebot sicherer Ladestationen in Grömitz erweitert werden.

 

Informationen und Infrastruktur für durchreisende Radtouristen

Ausschnitt aus OpenCycleMap   Grömitz liegt am internationalen Fernradweg EuroVelo 10 (Ostseeküsten-Radweg, D2) und am Mönchsweg. Haben sich die Grömitzer schon mal Gedanken gemacht, wie und wo durchreisende Fern­radtouristen mal für ein paar Stunden ihr Rad und ihr Gepäck sicher zurücklassen können, um entspannt den Grömitzer Strand genießen zu können? Die Abstellanlagen im Bereich der Strandprome­nade mit Ausnahme der Anlehnbügel am Wellenbad sind eher als unsicher einzustufen, Schließfächer in zentraler Lage sind nicht vorhanden (oder nicht ausgeschildert). Die nächsten Fahrradboxen gibt es am Lenster Strand.

Vorschlag zur Abhilfe:

In zentraler Lage an der Grömitzer Strandpromenade sollte eine größere Schließfachanlage installiert (und auf der offiziellen Grömitz-Homepage erwähnt) werden. Darüber würden sich nicht nur Fern­rad­touristen freuen.

 

Fazit

Zum heutigen Stand kann sich Grömitz nicht mit besonderer Fahrradfreundlichkeit rühmen, wahrscheinlich haben sich die Grömitzer Verantwortlichen und Planer bislang kaum die "Fahrradbrille" aufgesetzt. Aber die notwendigen Verbesserungen sind finanziell überschaubar, vermutlich bezuschussungsfähig für EU-Fördermittel für den ländlichen Raum und verteilen sich ansonsten außerdem auch auf viele Schultern (z. B. Vermieter der Unterkünfte).

Grömitz als "Fahrradfreundlicher Urlaubsort" wäre ein lohnenswertes Ziel und würde sicherlich durch weiteren Zuwachs an Übernachtungen belohnt!