St. Peter-Ordings Fahrradfreundlichkeit im Überblick

St. Peter-Ording (rund 4000 Einwohner) ist gemessen an seinen jährlich rund 2,5 Millionen Gästeübernachtungen der größte Fremdenverkehrsort an der schleswig-holsteinischen Nordseeküste gefolgt von Westerland und Büsum.

Aufgrund der Weitläufigkeit des Ortes und der Entfernungen zum Strand spielt das Fahrrad insbesondere für viele Touristen, aber auch für Einheimische und Pendler eine sehr gewichtigte Rolle. Auch auf der offiziellen Homepage von St. Peter-Ording wird das Fahrradfahren intensiv beworben. Daher bringen viele Übernachtungsgäste ihre eigenen Fahrräder mit oder mieten sie sich bei einem der zahlreichen Verleiher vor Ort. Der Anteil von E-Bikes ist dabei heute schon auf sehr hohem Niveau und steigt immer noch weiter.

Bei diesen Randbedingungen ist Fahrradfreundlichkeit für einen Ort wie St. Peter-Ording ein unbedingtes Muss, wobei sich die Verantwortung dafür keineswegs auf die Gemeinde beschränkt, sondern von allen touristischen und tourismusrelevanten Akteuren (insbesondere Unterkunftsbetriebe) wahrgenommen werden muss. Bei einer Gesamtbetrachtung der Fahrradfreund­lichkeit St. Peter-Ordings fallen einige deutliche Verbesserungen aus jüngerer Zeit (kommunale Baumaßnahmen) auf, während es gerade im Bereich des Fahrradparkens und der Lade-Infrastruktur für E-Bikes sowie generell im Bereich der Unterkunfts­betriebe weiterhin große Defizite gibt (alle Angaben Stand Oktober 2020):

Verkehrsführung des Radverkehrs

Deichradweg in Höhe des Leuchtturms   Im Sommer 2020 hat St. Peter-Ording den Deichradweg zwischen den Ortsteilen Bad und Böhl saniert - eine gute und eigentlich längst überfällige Maßnahme! Allerdings darf bezweifelt werden, ob der Zweirichtungsradweg für die Radverkehrsdichte in der Hauptsaison ausreichend breit dimensioniert ist. Die gleichen Bedenken darf man auch anmelden für den für Radfahrer freigegebenen Fußweg zwischen der Buhne in St. Peter-Bad und dem Strand­übergang Köhlbrand sowie für manche andere Verbindung.

Wenn ein Radweg für seine Verkehrsdichte zu schmal ausgelegt ist, werden die Geschwindigkeitsunterschiede zwischen konventionellen Fahrradfahrern und E-Bikern besonders problematisch, vor allem für Kinder. Vielleicht sollte man daher das besonders an den Strandzufahrten ausgeprägte und wohltuende Konzept der Verkehrsarten­trennung noch erweitern und den E-Bike-Verkehr auf eigenen Fahrspuren oder auf (verkehrsberuhigten) Straßen führen.

 

Schutzstreifen für Fahrradfahrer in St. Peter-Ording   Schutzstreifen

Ebenfalls noch recht frisch sind die Schutzstreifen auf der Böhler Landstraße. Im Gegensatz zu den in vielen anderen Gemeinden typischerweise stark unterdimensionierten Schutzstreifen hat man sich hier offensichtlich an den Empfehlungen für Radverkehrsanlagen der FGSV orientiert, die eine Breite von 1,50 m, mindestens aber 1,25 m vorgeben. Bleibt nur zu hoffen, dass die Autofahrer auch die notwendige Disziplin aufbringen und immer den Mindestüberholabstand von 1,50 m einhalten.

 

dichter Autoverkehr auf der Straße   Stressig und nicht ganz ungefährlich für Fahrradfahrer ist es dagegen z. B. auf der Straße "Im Bad", die überall starken Autoverkehr aufweist und auf langen Abschnitten als Ein­bahn­straße ausgeführt ist. Hier ist oft zu beobachten, dass Radfahrer von den Autofahrern bedrängt und nicht mit dem notwendigen Abstand überholt werden. Radfahrer dürfen sich entgegen der Einbahnstraßenrichtung einen nicht besonders breiten Weg mit den Fußgängern teilen - zumindest in der Hauptsaison für alle Beteiligten keine befriedigende Lösung!

Vorschlag zur Abhilfe:

Was spricht dagegen, solche Straßen in St. Peter-Ording als Fahrradstraßen auszuweisen und damit dem Autoverkehr nach Fußgängern und Radfahrern die dritte Priorität zuzu­weisen? Schließlich befinden wir uns hier "Im Bad" und wollen uns erholen, das geht doch eigentlich nur zu Fuß oder auf dem Rad und nicht hinter dem Lenkrad!

 

Standüberfahrt Ording-Nord   Beschilderung

Leider gibt es bei der Wegweisung für Fahrradfahrer im Ort selbst wie auch auf den empfohlenen Radtouren über die Halbinsel Eiderstedt immer wieder kleine Lücken oder Unklarheiten.

Ein Beispiel ist die Strandüberfahrt Ording-Nord, wo mancher Radfahrer rätselt, ob er hier eher der breiten Teerstraße im Kfz-Verkehr oder dem Deichkronenweg folgen sollte. Hier fehlt jegliches Gebots- oder Verbotsschild.

Ein anderes Beispiel ist die Radtour zum Westerhever Leuchtturm, wo sich unterwegs mehrmals die Frage stellt, ob der Weg seeseitig oder landseitig am Deich weiterführt - manchmal ist beides möglich, manchmal verliert sich ein anfangs gut befestigter Weg auch im Gras des Deiches und den Schafskötteln.

 

Fahrradparken

geparkte Fahrräder am Strand, im Hintergrund ein Krabbenkutter  

Mit Ausnahme der Seebrücke in St. Peter-Bad kann man an allen Strandübergängen mit dem Fahrrad bis weit hinaus zum Strand fahren. Dort stehen einfache Holzgestelle zum Anlehnen und Anschließen der Fahrräder zur Verfügung.

Die Anschließmöglichkeit an den Holzbrettern bietet allerdings nur einen einfachen Diebstahlschutz, und in der Hauptsaison reichen die vorhandenen Kapazitäten auch oftmals nicht aus. Die daraus resultierenden Parkweisen sind für die Fahrräder nicht gerade schonend.

Vielleicht sollte man hier doch mal einen Erweiterungs­versuch mit DIN79008-kompatiblen Reihenparkern wagen, die insgesamt weitaus bessere Eigenschaften bieten, wobei aufgrund der Überflutungsgefahr und der kräftigen Witterungs­einflüsse vermutlich eine Edelstahlversion zum Einsatz kommen müsste.

 

Anlehnbügel in St. Peter-Bad an der Strandpromenade südlich vom Dünen-Hus
in St. Peter-Bad/Strandpromenade südlich vom Dünen-Hus

Anlehnbügel in St. Peter-Bad an der Strandpromenade nördlich vom Dünen-Hus
in St. Peter-Bad/Strandpromenade nördlich vom Dünen-Hus

Anlehnbügel in St. Peter-Bad an der Strandpromenade
in St. Peter-Bad/Strandpromenade

Anlehnbügel

In St. Peter-Ording werden in jüngerer Zeit vermehrt Anlehnbügel als Fahrradabstellanlagen montiert. Die verschiedenen Anlehn­bügel­modelle erreichen zwar nach dem Bewertungsschema für Bestandsanlagen bis zu 14 von 20 Tauglichkeitspunkten, dennoch sind sie gerade für einen Urlaubsort keine ideale Wahl, siehe "Pro und Kontra Anlehnbügel".

Die neuen Anlehnbügel im Bereich der Strandpromenade von St. Peter-Bad stechen zwar durch ein ausgefallenes Design hervor; für die Radfahrer ist aber ärgerlich, dass die kantigen Flachstahlprofile nicht besonders schonend für Lack und Federgabeln sind.

Felgenkiller in St. Peter-Bad, Straße Am Kurbad
in St. Peter-Bad, Straße "Am Kurbad"

Felgenkiller in St. Peter-Bad, Strandpromenade Buhne Nord
in St. Peter-Bad, Strandpromenade Buhne Nord

Felgenkiller in St. Peter-Dorf, Bernsteinmuseum
in St. Peter-Dorf, Bernsteinmuseum

Felgenkiller in St. Peter-Dorf, vor HypoVereinsbank und Edeka
in St. Peter-Dorf, vor HypoVereinsbank und Edeka

Felgenkiller

Ansonsten überwiegen im Ortsbild von St. Peter-Ording geringwertige Vorderradhalter (so genannte "Felgenklemmer" und "Felgenkiller"), die auf 0 oder 2 von 20 Tauglichkeits­punkten nach dem Bewertungsschema für Bestandsanlagen kommen. Das gilt gleichermaßen für Anlagen im öffentlichen Straßenraum (kommunale Anlagen bzw. von Geschäfts­leuten bereitgestellt) wie für Anlagen auf den Grundstücken von touristischen Betrieben aller Art.

Insbesondere hochwertige Fahrräder und E-Bikes mag man in solchen Anlagen nur höchst ungern parken. Da diese Modelle den Fahrrädern nur unzureichende Standsicherheit bieten, leisten sie mechanischen Schädigungen von E-Bike-Akkus und daraus resultierenden Akkubränden Vorschub.

 

geparkte Fahrräder auf der Buhne   Bedarfsermittlung

Ganz offensichtlich gibt es in St. Peter-Ording verschiedene Stellen mit hoher Nachfrage an Fahrradparkmöglichkeiten, die aber heute nicht mit einem guten Angebot entsprechen­der Fahrradabstellanlagen befriedigt wird. Ein Beispiel dafür ist das Umfeld der Buhne in St. Peter-Bad, wo die vorhan­denen Parkmöglichkeiten für die Seebrückenbesucher bei weitem nicht ausreichen.


Vorschlag zur Abhilfe:

Als Abhilfe empfiehlt sich eine systematische Bedarfs­ermitt­lung, wie sie zum Beispiel beschrieben ist in den "Hinweisen zum Fahrradparken" der Forschungs­gemein­schaft für Straßen- und Verkehrswesen (FGSV).

 

Mit drittklassigen und fehlenden Fahrradabstellanlagen schreckt man insbesondere die Nutzer von höherwertigeren Fahr­rädern ab, die unter solchen Bedingungen Sachschäden und Diebstahl befürchten müssen. Unter diesen Voraussetzungen ist es nicht verwunderlich, wenn sich die Fahrradfahrer sicherere Ersatzabstellmöglichkeiten suchen, was aber dem Ortsbild durchaus abträglich sein und auch zu Behinderungen anderer Verkehrsteilnehmer führen kann.

Für ein sicheres Parken der Gästefahrräder an den Unter­künften über Nacht sind abschließbare Abstellräume die optimale Lösung. Ansonsten sind ADFC-empfohlene bzw. DIN 79008-konforme Reihen­parker die beste Wahl - hinsichtlich Gesamtkosten, Flächeneffizienz und Nutzerfreundlichkeit.

Lademöglichkeiten für E-Bike-Akkus

Büsum, Ladestation für E-Bike-Akkus  

Öffentliche Ladestationen für E-Bike-Akkus fallen entweder im Ortsbild einfach nicht auf oder sind tatsächlich nicht existent. Auf der offiziellen Webseite von St. Peter-Ording fehlt dieses Thema, und auch eine weitergehende Internet-Suche ist nicht besonders ergiebig.

Sehr bedenklich ist es aber, dass auch in Beherbergungs­betrieben und anderen Ferienunterkünften nahezu ausnahmslos keine sicheren Lademöglichkeiten angeboten werden und auch bei den allermeisten Betreibern kein entsprechendes Wissen dazu vorhanden ist.

 

Informationen und Infrastruktur für durchreisende Radtouristen

Ausschnitt aus OpenCycleMap   St. Peter-Ording liegt am internationalen Fernradweg EuroVelo 12 (Nordseeküsten-Radweg, D1) und am Wikinger-Friesen-Themenradweg (WFW). Haben sich die Verantwortlichen schon mal Gedanken gemacht, wie und wo durchreisende Fern­radtouristen mal für ein paar Stunden ihr Rad und ihr Gepäck sicher zurücklassen können, um entspannt den Ort und die Strände genießen zu können?

Vorschläge zur Abhilfe:

An einigen ausgewählten Stellen sollten für diesen Zweck exklusiv für Fern­radtouristen die folgenden Installationen angeboten werden:

  • einige Fahrradboxen, in denen beladene Reiseräder eingeschlossen werden können
  • große Schließfächer zur Aufnahme von Reiseradler-Gepäck

 

Fazit

Zum heutigen Stand kann sich St. Peter-Ording noch nicht mit besonderer Fahrradfreundlichkeit rühmen, aber erste positive Ansätze sind unübersehbar. Eine effiziente Verbesserung wäre am ehesten durch die Schaffung einer Stelle eines hauptamt­lichen Fahrradbeauftragten zu erzielen, was bei der tatsächlichen Bedeutung des Radverkehrs in St. Peter-Ording durchaus angemessen wäre. Ein weiterer starker Katalysator wäre sicherlich ein Beitritt zum Verein RAD.SH e. V.. Die notwendigen Investitionen in Radverkehrsinfra­struktur wären finanziell durchaus überschaubar, wären vermutlich bezuschussungsfähig (EU-Fördermittel für den ländlichen Raum) und und würden sich außerdem auch auf viele Schultern verteilen (neben der Gemeinde alle touristischen und tourismusrelevanten Betriebe, insbesondere Unterkunftsbetriebe).

St. Peter-Ording als "Fahrradfreundlicher Urlaubsort" wäre ein lohnenswertes Ziel, denn Sicherheit und Zufriedenheit der Fahrradurlauber kann für einen Urlaubsort keine Nebensache sein!